Architekt für Heilbronn:
Emil Beutinger (1875-1957)

Beutinger arbeitete lange Jahre erfolgreich als Architekt in Heilbronn und als Dozent in Darmstadt und Wiesbaden, bis ihn die Heilbronner 1921 zu ihrem Oberbürgermeister wählten.

Als Oberbürgermeister trieb er die Modernisierung der Stadt voran. Seine planerische Weitsicht bezeugt die Anlage des Industriegebiets im Kleinäulein. Sein "Straßenbaufimmel" erwies sich später als eine gute Vorlage für die weitere Entwicklung der Stadt. Beutinger förderte den Bau des Neckarkanals, die Modernisierung des Schlachthofs und den Ausbau der Wasser- und der Gasversorgung. Weil er auch die Kultur immer unterstützt hatte, konnte das Stadttheater auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten seinen Spielbetrieb aufrecht erhalten.

Im März 1933 – zwei Jahre nach seiner Wiederwahl - drängten ihn die Nationalsozialisten aus dem Amt. Nach Kriegsende setzten ihn die Amerikaner erneut als Heilbronner Oberbürgermeister ein. In seiner letzten Amtszeit bis August 1946 konnte er noch den Grundstein für den späteren Wiederaufbau der zerstörten Stadt legen.

Emil Beutinger

Kantig und entschlossen stellt der Künstler den Heilbronner Oberbürgermeister Emil Beutinger dar. Die Inflationszeit ist überwunden, Heilbronn erlebt die "Goldenen Zwanziger".

Ein Zeitgenosse charakterisiert Emil Beutinger so: Der überzeugte Republikaner, der keiner Partei angehört, "verbindet mit einem außerordentlichen Fleiß einen weiten Blick und ist bestrebt, die Stadt einer lebhaften Entwicklung und damit einer besseren Zukunft entgegenzuführen".

(Städtische Museen Heilbronn)

Silberpokal; 1932
Silberwarenfabrik Bruckmann & Söhne

Als Oberbürgermeister hat Emil Beutinger auch vielfach aktive Wirtschaftsförderung betrieben. 1925 initiierte er die Weinbörse Heilbronn GmbH. Diese förderte mit einer Frühjahrs- und einer Herbstveranstaltung den Weinabsatz. 1927 stieß Beutinger die Einführung einer Trauben-, Obst- und Blumenschau an, die den regionalen Produzenten ein Forum bot. Mit über 40 000 Besuchern war bereits die erste, 10 Tage dauernde Ausstellung in und um die Harmonie ein großer Erfolg. 1932 übernahm die Weinbörse die Organisation der Messe in der Turnhalle an der Karlstraße.

Zur Erinnerung und als Zeichen der Wertschätzung erhielt Beutinger den bei der Heilbronner Silberwarenfabrik Peter Bruckmann & Söhne gefertigten Pokal.

(Stadtarchiv Heilbronn)

Das neue Industriegebiet im Jahr 1930; 1926
Karikatur von Walther Eberbach

Walter Eberbach hat zum Theaterhilfstag 1926 eine Reihe von Radierungen mit Heilbronner Themen vorgelegt. Den pessimistischen Blick in die Zukunft - ein leeres Industriegebiet mit Schuldenberg, trotz bester Straßen und Energieversorgung - teilten viele Zeitgenossen.

(Stadtarchiv Heilbronn)

Krematorium auf dem Heilbronner Hauptfriedhof,  Ansicht von der Wollhausstraße aus; 1901
Skizze von Emil Beutinger

Hier im Krematorium des Vereins für Feuerbestattung fand im Juni 1905 die erste Kremation in Württemberg statt. Der Entwurf verbindet klassizistische Elemente mit dem Jugendstil.

(Stadtarchiv Heilbronn)

Geschäftshaus Wilhelmstraße 17; 1906/07

Das Geschäftshaus wurde von Beutinger & Steiner für den Kaufmann Fritz Mößner, Inhaber des Tapetenhauses S. Horsch, gebaut. Seine Schauseite aus Heilbronner Sandstein prägt noch heute das Straßenbild.

(Stadtarchiv Heilbronn)

"Männer der ersten Stunde" am 70. Geburtstag von Oberbürgermeister Emil Beutinger; 9. August 1945

Zum Erinnerungsfoto anläßlich des 70. Geburtstages von OB Prof. Beutinger (sitzend) haben sich in dessen Amtszimmer im provisorischen Rathaus in der Wilhelmstraße versammelt: (von links) Paul Meyle, Carl Frey, Eugen Horch, Karl Britsch, Fritz Knapper, Ernst Riegraf, Willy Dürr, Hermann Sihler, Albert Schäffler und Eugen Reitmeier (Gast). Sie sind ein Teil jener "Männer der ersten Stunde", die nach dem Krieg ein schweres Erbe antraten.
Die Lebensläufe der abgebildeten Personen geben Einblick in die Zeit der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und des Aufbaus der Bundesrepublik Deutschland. Sie vertreten Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Kultur.

(Stadtarchiv Heilbronn)

Überreichung des Ehrenbürgerbriefs an Emil Beutinger; 26.08.1955
v.l. (verdeckt) Eduard Hilger, Paul Meyle, Albert Großhans, Emil Beutinger

Am 12. April 1955 schrieb Emil Beutinger in einem Brief: "Am 13. also Morgen sind es 10 Jahre, daß die Amerikaner Heilbronn endgültig besetzen - die letzten Kugeln galten meinem Haus - eine davon durchlöcherte den Gasmesser in der Küche. Um 4 h wurde ich zu den Amerikanern bestellt u. um 1/2 6 war ich in mein früheres Amt wieder eingesetzt. Man hat mich geholt ich ging nicht freiwillig.
Ich habe schon früher viel gearbeitet, aber die Zeit 1945-46 war das aufreibendste Leben in meinem ganzen Leben. Ich bedauere die Zeit wegen der vielen schlechten Erfahrungen u. Verleumdungen - ich habe kürzlich an verschiedene Stellen bis hoch geschrieben in m. Wiedergutmachungsanschreiben hier geschieht seit Jahren nichts, wenn ich gewusst hätte, was ich heute weiss - hätte nichts mich bewegen können m. Amt wieder zu übernehmen - aber der Dank des Vaterlandes war zu allen Zeiten gewiss. Weil die Nazis alle wieder in ihren Stellungen - sogar befördert u. alle einander helfen."

(Stadtarchiv Heilbronn)